17. April 1521 - Martin Luther stellt sich dem Wormser Reichstag, Stichtag - Stichtag - WDR
Andernfalls würde der Kaiser sein Versprechen vom freien Geleit, dass er Luther zugesagt hatte, vielleicht nicht einhalten. Auch schon die Pflicht der Obrigkeit, Zwietracht, Unruhen und Rotten von ihren Unterthanen fern zu halten, machte er jetzt für obrigkeitliche Maßregeln auf dem kirchlichen Gebiet, gegen Papisten und Schwärmer, geltend. — Während das Concil nicht zu stande kam und die politischen Verhältnisse den Kaiser fortwährend von gewaltsamen Schritten zurückhielten, durfte L. Der bedeutendste Kämpfer, der in Deutschland dem Wittenberger Professor entgegentrat, war Johann Eck, Prokanzler der Universität Ingolstadt. Auf seinen, als des Ordensvorstehers Ruf hin, trat L. im Winterhalbjahr 1508 dort ein. Carlstadt correspondirte mit ihm. Er habe, sagte er selbst nachher, von Jugend auf keinen rechten Frieden finden können, weil ihm Gott immer nur als strenger Richter vor Augen gestanden und so auch in der kirchlichen Unterweisung und Erziehung vorgestellt worden sei; auch in Christus habe er nicht den Heiland, sondern nur den hochthronenden Herrn und Richter kennen gelernt. Aber L. selbst dachte nicht daran, in ihnen ein umfassendes oder principielles reformatorisches Programm aufzustellen; sie wollten der gegebenen Veranlassung gemäß nur auf einen bestimmten Punkt in der Lehre von der Buße und in der kirchlichen Bußpraxis sich beziehen, nämlich speciell auf jene Leistungen oder Satisfactionen, welche dem Bußfertigen nach abgelegter Beichte und empfangener Absolution noch auferlegt wurden und für welche dann die Ablässe eintraten. Der neue Kaiser Karl V. war, während ihm für Luthers evangelische Heilslehre Sinn und Verständniß abging, doch gleichfalls ernstlich auf Abstellung der äußeren Mißbräuche und der dem Klerus vorgeworfenen sittlichen Aergernisse und zugleich auf eine der Würde des Königthums und Kaiserthums entsprechende Auseinandersetzung zwischen den höchsten weltlichen und geistlichen Gewalten bedacht. Er warnte davor, indem er die schlimmen Einwirkungen auf Glieder seiner Gemeinde wahrnahm, im Beichtstuhl und auf der Kanzel und veröffentlichte endlich am 31. Das beklemmende Gottesbild zur Zeit Luthers, die Angst des Menschen vor himmlischer Strafe nach dem Tod, schuf die Grundlage für den einträglichen Ablasshandel der Kirche. L. versah sie mit einem Vorwort. Stotternheim, 2. Juli 1505: Tiefe Nacht herrscht über der Gemeinde bei Erfurt. Der Mann erleidet Todesangst, fürchtet vom Blitz erschlagen zu werden. Der Name ist ohne Zweifel ursprünglich mit dem Personennamen Lothar identisch. Er sah, daß der Satan an die Stelle der früheren Vermengung von Geistlichem und Weltlichem jetzt eine andere umgekehrter Art anstifte.Für die christliche Lehre und Predigt blieb ihm stets das Wort von der Gnade Gottes in Christo, welche den an sie Glaubenden selig mache, Hauptsache und Mittelpunkt; diese Rechtfertigung durch den Glauben war ihm der Artikel, mit welchem die Kirche stehe oder falle. Er scheute bei solchen Vorwürfen die Glieder keines Standes, namentlich auch nicht die hoch und höchst Stehenden. 1528 seine größte Schrift in dieser Sache, sein sogenanntes "Großes Bekenntniß vom Abendmahl" veröffentlicht hatte, wollte er mit den ferneren Gegenschriften nichts mehr zu thun haben und schwieg auf sie.Gerade jetzt aber mußte der Reichstagsbeschluß von Speier 1529, der dem Fortschritt der Reformation wehrte und ihren Bestand bedrohte, und ein vom Kaiser mit Frankreich und dem Papst abgeschlossener Friede, nach welchem derselbe endlich energisch gegen jene einschreiten wollte, für jeden Protestanten, der an menschliche Hilfsmittel gegen solche Gefahren dachte, eine Einigung und ein Schutzbündniß zwischen den lutherisch gesinnten Reichsständen und jenen Schweizern, besonders Zürichern, und Oberdeutschen, zum Gegenstand des dringendsten Wunsches und Strebens machen.
17. April 1521 - Martin Luther stellt sich dem Wormser Reichstag: Für Luther sitzen die Ketzer in Rom
Während dort im Gemeindegottesdienst die neue Abendmahlsfeier durchgesetzt, das Volk zum Essen von Fleisch an den Fasttagen aufgefordert und weitere Reformen betrieben wurden, sah er über den äußeren Ordnungen und Freiheiten die Sorge für die Seelen versäumt und verleugnet;|namentlich war auch jede Vorbereitung der Communicanten zum Abendmahlsgenuß dort weggefallen. (in Eisenach wohl vor allem durch Kontakte zu franziskanischer Spiritualität). Ferner übernahm er das Predigtamt in der Stadtkirche für den krank und alt gewordenen Stadtpfarrer. Er räth jenen, selbst Aelteste oder Bischöfe für sich zu bestellen, die dann sich Vorgesetzte oder Visitatoren erwählen möchten, bis ganz Böhmen ein ordentliches evangelisches Episkopat bekäme. Das bedeutet also, wenn Gott gerecht wäre, müsste der Mensch nach seinem Leben und seinen Taten in jedem Fall gerichtet und bestraft werden. In der Disputation, welche zuerst zwischen Carlstadt und Eck, dann zwischen L. und diesem in der Zeit vom 27. Juni bis 16. Juli statt hatte, bestand L. darauf, daß das Haupt der Kirche nicht der Papst, sondern nur Christus sei, daß auch die Schlüssel des Himmelreichs keinem einzelnen übertragen seien, sondern der Kirche und das hieße der Gemeinschaft der Heiligen. 1538 "Wider die Sabbather" schrieb. L. wurde nicht direct hierbei betheiligt, ließ aber seinen Freund Melanchthon mit warmen Wünschen und Hoffnungen 1543 dorthin ziehen. Namentlich wurde er fort und fort durch Schwindelanfälle belästigt. December mit einer feierlichen Verbrennung der Bulle und der päpstlichen Rechtsbücher.Durch die ganze deutsche Nation verbreitete sich jetzt die Bewegung und der Kampf. Bei den Berathungen über eine Gegenwehr aber, welche unter ihnen jetzt angelegentlich betrieben wurden, ließ L. nun doch von jenem unbedingten Widerspruch gegen eine solche ab, denn er wurde belehrt, daß nach dem bestehenden Reichsrecht selbst der Kaiser keineswegs eine unumschränkte Obrigkeit sei und wollte das Urtheil|über die Rechtsfrage den Juristen anheimgeben, während er selbst als Prediger des göttlichen Wortes nur dazu sich berufen fand, das Gewissen für diese Ueberlegungen zu schärfen und wenigstens zu möglichster Erhaltung des Friedens zu mahnen. Ein Mann ist unterwegs, allein. Endgültig.
Orchester und Chor
Die Thesen aber, die er hierfür veröffentlichte, zielten vielmehr auf Sätze, welche bis dahin nur L. ausgesprochen hatte; namentlich griff er Luther's Behauptung auf von dem erst späteren Ursprung der päpstlichen Obergewalt. Der Ritter Ulrich v. Hutten hatte selbst eine rege Thätigkeit als kämpfender Schriftsteller im Dienste der Nation und der freien Wissenschaft begonnen. Daß bei Anfällen innerer Angst, die er empfand, auch krankhafte leibliche Zustände einwirkten, zeigt noch die Geschichte seines späteren Lebens; aber in ihrem tiefsten Grund war die Erregung eine sittlichreligiöse und L. bestand nachher darauf, daß jeder, der mit eigener Gerechtigkeit vor Gott bestehen wolle und dabei auf die Stimme des Gewissens höre, gleichartiges durchmachen müsse. Sie enthalten das schärfste Bekenntniß gegen den Papst, den rechten Widerchrist, und seine Abgöttereien, besonders den Gräuel der Messe. Wir haben namentlich aus dem Jahr 1522 noch eine Gegenschrift von ihm zu nennen gegen eine Schrift, in welcher Heinrich VIII.
Für die Aussagen über die Gegenwart des Leibes Christi bei den äußeren Elementen des Abendmahls zog er, so viel an ihm war, wenigstens eine mildere und unbestimmtere Fassung der von L. geforderten vor. Auch seine Auslegungen biblischer Texte, die Publikation von Predigten und von erbaulichen Schriften wurden fortgesetzt, 1535 etwa mit der Anleitung: "Eine einfältige Weise zu beten für einen guten Freund.". — Auf die erste noch sehr unvollständige Wittenberger Gesammtausgabe der Schriften folgte eine in Jena 1555 ff., eine in Altenburg 1661 ff., eine|in Leipzig 1729 ff., eine zu Halle durch Walch 1740 ff. Zugleich fand bei ihnen die neue humanistische Bildung Gunst und Eingang. October. Er hatte thatsächlich nicht blos mit der herrschenden Schultheologie gebrochen, sondern auch einen anderen Weg als die ganze hergebrachte kirchliche Auffassung der Heilsordnung eingeschlagen. Denn er fürchtete, daß die Wittenberger Vorgänge nur ein schwaches Vorspiel sein möchten zu einer gewaltsamen blutigen Volkserhebung gegen die römische Geistlichkeit und die Mönche. Die Beschwerden wurden besonders wieder auf dem Reichstag laut, der in Worms 1521 sich versammelte. — Als Prediger übernahm er sehr große Arbeit, ja drei bis vier wöchentliche Predigten an Bugenhagen's Stelle, als dieser 1528 zu reformatorischen Arbeiten in die Stadt Braunschweig und weiter nach Hamburg berufen wurde. Luther bekennt später im November 1521: "Ich bin nicht gern und nicht aus Eifer ein Mönch geworden, viel weniger des Bauchs wegen, sondern da mich eine Angst und Todesschreck unversehens überfiel, tat ich ein erzwungen und erdrungen Gelübde.". Erasmus mißbilligte längst die Heftigkeit dieses Reformators, fürchtete für die Ruhe und das Gedeihen der von ihm selbst gepflegten edlen Wissenschaften, hielt die principiellen Angriffe auf die kirchlichen Autoritäten für unklug und gefährlich, so wenig er auch selbst mehr innerlich durch diese sich binden ließ, und wurde umsomehr dadurch aufgebracht und ängstlich, daß man ihn selbst für einen Mitschuldigen, ja gar Hauptanstifter der gefährlichen Bewegung verschrie. In der damaligen politischen und socialen Entwicklung der deutschen Nation und des Reiches mußte der zunehmenden Gewalt der Fürsten und zugleich der Erhebung des reichen Bürgerthums gegenüber dieser Adel überhaupt sich beengt und zum Erstreben und Erkämpfen ersprießlicher allgemeiner Reformen aufgefordert finden. Er selbst gab von diesem 1516 ein Stück und 1518 das Ganze (mit dem Titel "Ein deutsch Theologia") heraus. Darüber brach der Streit mit Agricola, dessen abweichende Lehren wir oben schon zu erwähnen hatten, erst recht aus, als dieser 1537 durch Luther's freundschaftliche Verwendung eine Professur in Wittenberg erhalten hatte. Weiter erhob sich jetzt durch Carlstadt ein Sturm gegen die Bilder in den Kirchen, die Gott durch Mose verboten habe, während L. vor dem herkömmlichen Bildercultus warnte, dem Buchstaben des alttestamentlichen Verbotes aber keine Geltung mehr für die Christen zuerkannte und in jenem Eifern um solche äußerliche Dinge überhaupt eine Verleugnung des christlichen Glaubens und der christlichen Liebe sah. Mit einem Concil um. Zugleich aber ließ er seiner Schrift an den Adel eine nicht minder entschiedene, mehr für die Theologen bestimmte, gegen dogmatische Grundirrthümer Roms und zwar speciell gegen die Sacramentenlehre sich richtende lateinische Schrift über die "Babylonische Gefangenschaft der Kirche" nachfolgen.|In Betreff des Abendmahls verwarf er die Transsubstantiation und noch schärfer das Meßopfer.
Noch besonders angetrieben durch hohe Gönner machte endlich Erasmus 1524 eben jene Lehre Luther's vom völligen Geknechtetsein des menschlichen Willens durch die Sünde zum Gegenstand einer Streitschrift gegen ihn ("De libero arbitrio"). L. hatte bei ihm von Anfang an den rechten Sinn für die Grundlehren von Gottes Gnade und des Menschen Sünde vermißt und argwöhnte mehr und mehr bei ihm Falschheit und Feigheit. Er wollte es ganz nur im Vertrauen auf Gottes Schutz thun: wolle der Kaiser die Acht an ihm vollstrecken, so möge der Kurfürst denen, die ihn holen, freies Geleit geben; mehr werde man demselben nicht zumuthen.In einer Reihe von acht Predigten legte L. nun seiner Wittenberger Gemeinde die Grundsätze der christlichen Liebe und Zucht ans Herz, wozu der evangelische Glaube und die wahre Freiheit verpflichte. Insbesondere aber fand L. jetzt Zeit und Ruhe für größere Arbeiten zur positiven Erbauung und Belehrung der deutschen Christenheit. Ein Einschreiten der Obrigkeit gegen den papistischen Kultus rechtfertigte er, wie wir schon sahen, jetzt damit, daß dieselbe, ohne jemand zum Glauben zwingen zu dürfen, doch Gotteslästerungen und anderen derartigen Aergernissen wehren müsse. Im Jahr 1517 erhebt der Augustinermönch Martin Luther seine Stimme. Sein Aufenhalt wurde sorgfältig geheim gehalten. Kurfürst Friedrich hatte dem von ihm hochgeschätzten Wittenberger Lehrer bisher stets mit Berufung darauf seinen Schutz gewährt, daß er noch nicht ordentlich widerlegt und abgeurtheilt sei. 1506 legte er die Gelübde ab und war damit auf Lebenszeit seinem Orden und dessen Vorschriften verpflichtet. Er glaubte beim Wirken der göttlichen Gnade doch mehr Betheiligung des eigenen Willens annehmen, für die Erlangung der Seligkeit dem eigenen sittlichen Verhalten und Wirken der durch Gottes Gnade erlösten Christen mehr Bedeutung beilegen zu müssen. So enthalten die tief religiösen Gedanken der Schrift zugleich die Begründung für das Recht der Reformation und die Mahnung an die Rücksichten der Liebe und Zucht, mit denen sie durchgeführt werden sollte. Nachher folgten noch fünf Kinder, nämlich 1527|Elisabeth, die ihm schon nach acht Monaten wieder entrissen wurde, 1529 Magdalene, eine ihm besonders theure Tochter, deren Tod 1542 ihn sehr bewegte, 1531 Martin († als Privatmann 1565), 1533 Paul (Arzt bei verschiedenen Fürsten, † 1592) und 1534 Margarethe († als verehelichte v. Kulheim 1570).
Vom Kaiser für vogelfrei erklärt
Im Wintersemester 1515/16 und dem folgenden Semester legte er den Römerbrief aus, im Wintersemester 1516/17 dann den Galaterbrief. Bis dahin wußte er sich berufen, denselben aufs äußerste zu bekämpfen. Darauf gab er mir diese Antwort: 'Du willst ohne Sünde sein und hast doch keine rechte Sünde; Christus ist die Vergebung rechtschaffener Sünden, als die Eltern morden, öffentlich lästern, Gott verachten, die Ehe brechen, das sind die rechten Sünden. Lässt Du mich leben, so will ich ein Mönch werden.". Er wies sie ab in einem "Sendbrief". Die Geschichte klingt gut: Martin Luther begnügt sich nicht damit, seine Kritik an Papst und Kirche mündlich und schriftlich unter die Leute zu bringen. Andererseits wurde von ihm als das Gebiet des Staates oder der weltlichen Obrigkeit so allgemein das äußere Leben und die äußere Ordnung bezeichnet, daß dann um so leichter auch die äußeren für die Kirche nöthigen Ordnungen und regimentlichen Thätigkeiten, für welche in der Gegenwart kein anderes Subject bestand, mit in den obrigkeitlichen Beruf gezogen werden konnten.So haben jetzt bei L. die praktischen Grundsätze, nach welchen der Aufbau der lutherisch deutschen Kirche vor sich ging, unter dem Einfluß der Zeitverhältnisse sich gestaltet. Zu den kleinen Schriften, welche L. unermüdlich unter die Gebildeten und das ganze Volk ausgehen ließ, gesellten sich andere, großentheils von ungenannten Verfassern mit heftigen Ausfällen auf römische Trügerei und Schinderei.
1883 (Plitt's Arbeit reicht jedoch hierin nur bis 1525), und ganz besonders gegenwärtig in "M. Luther, eine Biographie von Th. Kolde" (1. Es war weniger die Angst zu sterben, die ihn so erschreckte. Den Akt der Einzelgemeinden denkt er sich übrigens so, daß die ganze bürgerliche Gemeinde als christliche darin thätig werde und die in ihr Höhergestellten auch hier vorangehen sollten. Bei seinen tüchtigsten Gliedern verband sich Eifer um die Ehre und Unabhängigkeit der Nation im Ganzen und so besonders auch gegen die schmählichen welschen Uebergriffe und Erpressungen mit den eigenen Standesinteressen. An die Christen in Straßburg verfaßte er ein gegen Carlstadt's Umtriebe gerichtetes Sendschreiben.
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Als der Kurfürst zum Reichstag reiste, begleitete ihn L. bis an die Grenze seines Gebietes nach Koburg, während ein Erscheinen des Geächteten in Augsburg natürlich unzulässig war. Aber im Unterschied von einer Mystik, welche im Verhältniß des Menschen zu Gott wesentlich den Gegensatz des Sinnlichen und Endlichen gegen das absolute, über alles erhabene, allein wahrhaft reale und doch zu einer Abstraktion verflüchtigte Sein sah, hielt er doch stets vielmehr den sittlichen Gesichtspunkt fest, vermöge dessen ihm ein Zwiespalt zwischen Gott und den Menschen wesentlich durch Sünde und Schuld gesetzt war und der auf alles verzichtende gläubige Sünder nicht seiner Persönlichkeit in Gott verlustig geht, sondern eben in jenem Glauben der vergebenden und beseligenden Liebe Gottes froh werden und hiermit auch die wahre Freiheit und Selbständigkeit in der Gemeinschaft mit Gott gewinnen soll.Neben der akademischen Thätigkeit hatte L. fortwährend seine Pflichten im Kloster zu erfüllen, wo er nach der Rückkehr aus Rom Unterprior geworden war; er hatte da auch zu predigen und eigene Vorlesungen für die Brüder zu halten. Sein eigener Blick ferner erweiterte sich über das religiöse Hauptgebiet, in welchem doch all sein Streben stets wurzelte und sich concentrirte, hinaus.
Den Papst als Heuchler beschimpft
Schon bald wird er "das beste Pferd im Stall" der von sich reden machenden Universität. Vergebens versuchte nachher noch eine Commission unter dem Erzbischof von Trier ihn wenigstens dazu zu bewegen, daß er die in Konstanz verurtheilten Sätze zurücknehme und der Entscheidung eines künftigen Concils sich unterwerfe.So mußte er am 26. April wieder von Worms heimwärts reisen. Darauf antwortete er: wofern er nicht durch Zeugnisse der heiligen Schrift oder durch helle Gründe (ratione evidente) widerlegt werde, so sei er, da er weder dem Papst noch den Concilien allein, die bekanntermaßen öfters geirrt haben, glauben könne, überwunden durch die von ihm angeführten heiligen Schriften und sein Gewissen gefangen in Gottes|Worten; er könne und wolle nichts widerrufen, weil wider das Gewissen zu handeln gefährlich sei. In anderen Beziehungen, wie beim Verbot der Bilder, blieb vielmehr Zwingli am Buchstaben hängen. Eine historischkritische Behandlung der Schrift blieb ihm dabei so fremd wie seinen Zeitgenossen. Auch aus der Willkür allegorischer Deutungen hat er nur allmählich sich losgerissen. Auch er billigte es, wenn eine zur christlichen Erkenntniß gekommene Gemeinde sich die Entziehung des Kelches beim Abendmahl nicht mehr gefallen lasse. Von dem Geld, das da im Kasten klingelte, finanzierte der Papst unterdessen ein ehrgeiziges Projekt: den neuen Petersdom in Rom. Trotz eines päpstlichen Schreibens, welches ihn aufforderte, dem Verdammungsurtheil gegen L. Dann ließ er scharfe Erlasse gegen das "Kind der Bosheit" ausgehen. Er hatte zu gehorchen und ließ sich am 3.4.1507 zum Priester weihen. Von Worms aus erging jetzt gegen ihn die Reichsacht. Die Walch'sche ist die vollständigste, enthält auch viele werthvolle andere Schriftstücke, aber sie ist unzuverlässig, auf Herstellung des ursprünglichen Textes ist durchaus nicht die erforderliche Sorgfalt verwandt, die Uebersetzung der lateinischen Schriften ist schlecht und fehlerhaft, viele und zum Theil wichtige Stücke fehlen doch auch hier noch. Der Ordensobere Johann von Staupitz wird sein Vertrauter und wäscht ihm ordentlich den Kopf. Diese, welche im Unterschied von Zwingli mit L. die göttliche Heilsgabe als Hauptsache im Sacrament ansahen, jedoch ihrerseits dabei nur an eine geistige Speisung der Seelen im Glauben denken wollten, gingen jetzt auch auf den Satz ein, daß im Sacrament auch die Unwürdigen den Leib des Herrn wirklich genießen.